23.10.2017

Interview mit dem CEO der ACTICO GmbH

Thomas Cotic

Fassen Sie bitte kurz zusammen, welche Idee hinter Actico steht.

Hinter ACTICO steht die Idee, Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. In den letzten Jahrzehnten haben sich Unternehmen vor allem dem „klassischen“ Ansatz des Geschäftsprozessmanagements gewidmet, um ihre Prozesse zu automatisieren und letztlich effizienter zu werden.

Effizienz ist jedoch nur ein Teilaspekt und genügt nicht, um im Wettbewerb mit (neuen) Marktteilnehmern zu bestehen. Ebenso ist Effizienz keine Antwort auf die Digitale Transformation, durch die völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. Zugleich steigen die Anforderungen an Unternehmen, regulatorische und geschäftliche Risiken im Griff zu haben und ihre Geschäfte nachvollziehbar zu dokumentieren.

Wir sehen, dass die Wertgenerierung in Unternehmen von ihrer Fähigkeit abhängt, optimale Entscheidungen zu treffen, die das fachliche Wissen ebenso berücksichtigen wie die regulatorischen Vorgaben.

 

Welche expliziten Vorteile/Mehrwerte bieten Sie Ihren Kunden?

Wir sind seit vielen Jahren im regulatorischen Umfeld aktiv. Daher können wir unseren Kunden mit umfassendem Knowhow bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben in ihren IT-Systemen zur Seite stehen.

Darüber hinaus setzen wir auf eine Softwaretechnologie, die einen grafischen Ansatz verfolgt, um regulatorische Prüfungen, Richtlinien oder Risikomodelle zu implementieren. Dies ermöglicht es Spezialisten aus dem Fachbereich (z. B. Compliance Officers, Risk Officers oder Business-Analysten), „ihre“ Modelle selbständig zu erstellen, zu testen und zu implementieren. Der grafische Ansatz schafft eine hohe Transparenz und ermöglicht einen wesentlich besseren Einbezug des Fachbereichs in die Entwicklung von IT-Systemen („Business-IT-Alignment“).

Wir setzen dabei auf den Business-Rules-Ansatz, der die fachliche Logik aus dem Programmcode der IT-Anwendungen herauslöst. Unternehmen sind damit nicht mehr an bestehende IT-Releasezyklen gebunden, was bei der hohen Änderungshäufigkeit in der Gesetzgebung sehr wichtig ist. Stichwort: Time-to-Market.

Die bereits angesprochene Effizienz bringt unsere Software ebenfalls mit, da Entscheidungen automatisiert getroffen werden. Natürlich können auch Menschen direkt in die Entscheidungsfindung einbezogen werden (z. B. zur Klärung eines Einzelfalls oder wenn eine menschliche Beurteilung notwendig ist).

Außerdem bietet unsere Software unseren Kunden Revisionssicherheit, indem die getroffenen Entscheidungen ebenso dokumentiert werden wie Änderungen an den zugrundeliegenden Modellen.

 

Wie sehen Sie die RegTech-Entwicklung in Deutschland und international in der Zukunft? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen RegTechs und den Regulatoren aus?

Wir sind bereits sehr lange im regulatorischen Umfeld aktiv. Treiber für das Thema sind zum einen der hohe Aufwand, den Unternehmen für Compliance haben, sowie der hohe Zeitdruck, den der Gesetzgeber für neue Regularien oder Änderungen vorgibt. RegTech-Anbieter sind gefordert, Technologien zu entwickeln, die die Aufwände für das Compliance Management reduzieren und eine schnelle Umsetzung von regulatorischen Anforderungen ermöglichen.

Der RegTech-Markt ist folglich stark technologiegetrieben. Doch Kunden erwarten zunehmend auch fachliche (regulatorische) Expertise, die aufgrund nationaler Gesetzgebung beschränkt ist. RegTech-Anbieter, die diesen Spagat schaffen, bieten Mehrwerte und können sich damit etablieren. Reine Technologie-Anbieter können durch Partnerschaften entsprechendes Knowhow anbieten. Die Entwicklung wird zu einem gewissen Grad also von der Reichweite der Gesetzgebung beeinflusst.

Bislang ist die Zusammenarbeit zwischen RegTech-Anbietern und dem Gesetzgeber noch sehr schwach ausgeprägt. In der Regel sind Beratungsunternehmen mit juristischem Knowhow gefragt, die eine Schnittstelle zwischen Gesetzgeber und RegTech-Anbieter bzw. Unternehmen bilden.

 

Was sind die größten Herausforderungen für RegTechs allgemein und speziell für Ihr Unternehmen?

Eine große Herausforderung im RegTech-Bereich ist die Interpretation der Gesetzestexte, um diese korrekt in eine maschinenlesbare Form zu übersetzen. Dabei gibt es beispielsweise unklare Formulierungen, die einen Entscheidungsspielraum für das Unternehmen zulassen. Aspekte dieser Art müssen ebenfalls technologisch berücksichtigt werden.

Eine weitere Herausforderung im RegTech-Bereich – und auch für uns – ist der IT-Fachkräftemangel. Die Nachfrage für RegTech-Lösungen steigt kontinuierlich, und damit auch die Nachfrage nach Fachkräften zur Weiterentwicklung, aber auch zur Implementierung der Technologien.

 

Beschreiben Sie in einem Satz warum RegTechs so wichtig sind.

Die hohen Compliance-Aufwände sind ohne Softwaretechnologie kaum mehr zu stemmen.

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