05.10.2017

Interview mit dem CEO von Qumram

Patrick Barnert

Fassen Sie bitte kurz zusammen, welche Idee hinter QUMRAM steht.

Qumram unterstützt etablierte Finanzunternehmen und neue FinTechs bei der Einhaltung der rechtlichen Vorgaben, dem Aufdecken von möglichem Online-Betrug (intern oder extern) und der Verbesserung des Kundenerlebnisses. Unsere Kunden reduzieren das operationelle Risiko, die Kosten (bei Betrugsfällen) und erhöhen den Umsatz durch verbesserten Kundenservice.

 

Welche expliziten Vorteile/Mehrwerte bieten Sie Ihren Kunden?

Qumram zeichnet alle Informationen, Interaktionen und Transaktionen eines Kunden, der sich über Web/Online-Portale, mobile Apps oder Social Media mit unseren Firmenkunden (Fokus Finanzbranche) austauscht, auf. Die aufgezeichneten Kunden-Sessions können, ähnlich wie ein Video, wieder abgespielt und angeschaut werden. Die Daten werden analysiert und bieten vor allem für Risk & Compliance, Operations & Security und dem Marketing einen immensen Mehrwert.

Wir helfen unseren Kunden, die gesetzlichen Vorgaben, wie bspw. MiFID (II) & GDPR in Europa, Fidleg (CH), SEC 17a-4 und FINRA 2210 (USA) und viele mehr zu erfüllen. Qumram stellt so die Compliance sicher und hilft das operationelle Risiko zu reduzieren. Die Daten werden von vielen unserer Finanzkunden auch genutzt, um Online-Betrug aufzudecken oder/und das Kundenerlebnis über alle Kanäle zu verbessern.

Jeder kennt das Erlebnis, dass die Telefongespräche mit der Bank oder Versicherung aufgezeichnet werden. Viele haben von der Bank und den Vermögensberatern ein gesetzlich erforderliches Beratungsprotokoll ihres persönlichen Meetings erhalten. Qumram automatisiert das „Beratungsprotokoll“ der Onlinekommunikation über alle digitalen Kanäle hinweg und erzielt zusätzliche Mehrwerte für das Business aus der (Big) Data-Analyse.

 

Wie sehen Sie die RegTech-Entwicklung in Deutschland und international in der Zukunft? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen RegTechs und den Regulatoren aus?

RegTech wurde erst „geboren“ und steht am Anfang einer langfristigen Entwicklung. Der RegTech-Markt wird vor allem von USA und UK dominiert, was sehr viel mit der Haltung der Regulatoren zu tun hat. Ein RegTech-Ökosystem Deutschland/DACH ist im Aufbau und vermehrt sind neue Player im Markt zu finden.

Heutzutage ist es nicht mehr möglich, die täglich 200 globalen Veränderungen in gesetzlichen Vorschriften zu lesen, verstehen, interpretieren, den Impact auf die bestehenden Policies und Prozesse zu definieren, diese dann auch zu implementieren und deren Einhaltung zu überwachen. Die größte Herausforderung für Risk und Compliance liegt heute und zukünftig im notwendigen kulturellen Wandel innerhalb der Finanzbranche und diesen Culture-Change proaktiv anzugehen.

Darum wird sich RegTech durchsetzen, da es keine Alternative gibt. Die Compliance-Kosten in der Finanzindustrie belaufen sich heute auf 70 Milliarden US Dollar. Bis 2020 rechnet man mit Kosten von 100 Milliarden US Dollar. Das bedeutet wiederum, dass RegTech eine 100 Milliarden Opportunity ist.

Ich wünsche mir, dass durch enge lokale und regionale Zusammenarbeit von Finanzinstituten, Regulatoren und Innovatoren aus der RegTech-Szene, Deutschland und Europa eine führende Rolle übernehmen kann. Leider fehlt es heute an dieser aktiven Zusammenarbeit, da die meisten Firmen rückwärts gerichtet sind und Altlasten zu bewältigen haben. Es fehlt der Blick nach vorne und der Mut neue innovative und vor allem auch proaktive Wege zu gehen.

Wir arbeiten daran, dies zu ändern, Schritt für Schritt.

 

Was sind die größten Herausforderungen für RegTechs allgemein und speziell für QUMRAM?

Wir befinden uns mit vielen nationalen und internationalen RegTech-Firmen im Austausch und erleben es am eigenen Leibe, dass heutzutage sehr viel Überzeugungsaufwand geleistet werden muss.

Die Schwierigkeit liegt nicht im „Reg“, sondern im „Tech“ Thema. Die Compliance Abteilungen haben bis dahin versucht, die gestiegenen regulatorischen Anforderungen mit „mehr Personal“ zu bewältigen. Die Kosten sind über die letzten Jahre explodiert. Die Herausforderung liegt in der Zwischenzeit in der Beschaffung von „Compliance“ Personal, dort herrscht ein Engpass und ein Mangel an Wissen. Der einzige Weg, den sich immer verändernden gesetzlichen Vorschriften Herr zu werden, liegt in der Automatisierung. Die mangelnde Tech-Affinität der Compliance-Verantwortlichen erschwert die schnelle Transformation.

Die Regulatoren sind mehrheitlich weit von der Technologie entfernt. Ihnen fehlt das Wissen und leider auch zum Teil das Interesse, verstehen zu wollen, was technologisch heute schon machbar ist und wo die rasanten technischen Entwicklungen sich hinbewegen.

Über die kommenden 10 Jahre wird sich die gesamte Wertschöpfungskette verändern, vom Regulator, über den Auditor und Berater, den Finanzfirmen bis hin zum Endkunden. Es wird zu einer Digitalisierung und Transformation der gesamten Wertschöpfungskette kommen.

Wieso werden keine gesetzlichen Vorgaben gemacht, die technologisch „freundlich“ sind und gleich umgesetzt werden können? Wieso bieten die Regulatoren keine zentralen Services Bsp KYC, AML, Monitoring, etc. an? Werden zukünftig die Regularien von künstlich intelligenten Systemen entwickelt und gleich umgesetzt? Warum benötigt es noch Compliance Audits, wenn die Regulatoren zentrale Services anbieten?

Es liegt so viel Kosten- und Risikoreduktions-Potenzial in der Nutzung von Technologie, was den Banken und den Endkunden zugutekommen würde. Diese Transformation wird stattfinden.

Mit lokalen und europäischen RegTech-Firmen befinden wir uns in der Gründung einer RegTech Association. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Firmen und Regulatoren zu befähigen, der Transformation aktiv zu begegnen und diese anzutreiben. Wir wollen das Thema bekannt machen, die Angst und Bedenken betreffend Technologie durch transparente Information nehmen und gemeinsame Standards schaffen. Nur gemeinsam als starkes Ökosystem werden wir den Herausforderungen begegnen können und eine treibende Kraft im Veränderungsprozess werden. Wir wollen verändern und nicht verändert werden.

 

Beschreiben Sie bitte in einem Satz warum RegTechs so wichtig sind.

Ganz einfach… „Kein Reg ohne Tech“, d. h. ohne Technologie und Automatisierung werden die regulatorischen Vorschriften gar nicht mehr umgesetzt werden können.

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