07.03.2016

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

4. Frankfurter FuckUp Night spiegelt FinTech-Szene in Deutschland wider

Bad Soden im Taunus. Am Donnerstag fand in Frankfurt am Main mit 1.200 Gästen die weltweit zweitgrößte FuckUp Night seit der Gründung des Formates in Mexico statt. Im Mittelpunkt stand das Scheitern junger Existenzgründer in Deutschland. Ihre Erfahrungsberichte decken sich mit der aktuellen Situation der FinTechs hierzulande, lautet das Fazit des TME Instituts für Vertrieb und Transformationsmanagement e.V. Mit innovativen Lösungen erobern junge Startups aus der IT- und Finanztechnologie derzeit die Digital Banking-Branche. Doch trotz des Marktpotenzials gehen noch immer viel zu wenige Banken das Wagnis einer Kooperation oder Beteiligung ein. 

„Damit hinkt Deutschland dem globalen Boom weit hinterher“, sagt Stephan Paxmann, 1. Vorsitzender des TME Instituts. Die weltweiten Investitionen in FinTechs haben sich zuletzt auf 12,2 Milliarden US-Dollar verdreifacht. Doch davon sind nur 82 Millionen auf Deutschland entfallen. Das meiste Venture Capital floss in den USA, wo in das junge Business fast 10 Milliarden investiert wurden – gefolgt von Frankreich und Großbritannien. Selbst die skandinavischen Länder und die Niederlande lagen deutlich vor Deutschland. Auf der FuckUp Night im Frankfurter Westend wurde deutlich, warum: „Fehler zu machen und zu scheitern ist hierzulande keine Option“, fasst Paxmann den Tenor der Referenten zusammen, „obwohl Rückschläge in der Produktentwicklung zwangsläufig dazugehören.“ Auf dem Frankfurter Campus beklagte sich insbesondere Christian Lindner darüber, dass es in Deutschland keine Gründerkultur gebe. Startups seien wirtschaftliche Experimente, so der FDP-Chef. Man dürfe sie nicht mit dem Maßstab klassischer mittelständischer Unternehmen messen. Stattdessen plädierte Lindner für mehr Risikobereitschaft und Gründergeist, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten: „Wenn von 100 Innovationen nur zehn erfolgreich sind, hat sich dies für die Volkswirtschaft schon rentiert“, so der Politiker. 

Für die Bankenbranche lohnt es sich nach Meinung des TME Instituts ebenfalls, das Wagnis „FinTech“ einzugehen und das nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht. „Die Banken können neue Digital Banking-Anwendungen nicht aus dem Boden stampfen“, sagt Paxmann. Die Eigenentwicklung koste die Geldhäuser Zeit, Geld und erfordere Personal, das sich sowohl in der digitalen als auch finanzmathematischen Welt auskennt. „Mit einem Venture Capital Investment in ein FinTech können die Geldhäuser diese Hürden umschiffen und ihr digitales Angebot schnell und effektiv erweitern“, betont sein Kollege Stefan Roßbach. Die Commerzbank hat die Vorteile dieser Vorgehensweise bereits erkannt:  Mit dem MainIncubator, mehreren FinTech-Kooperationen und einem Wagniskapitalfonds für innovative Startups aus der Finanztechnologie ist die zweitgrößte Bank Deutschlands für den digitalen Wettbewerb gut gerüstet. 

Nach Aufzeichnung des TME Instituts sind weltweit bereits mehr als 900 Geschäftsmodelle im Digital Banking auf dem Markt. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass sich der Markt schon ab 2017 deutlich konsolidieren wird. Einige der Startups, die in den vergangenen 2 bis 3 Jahren gegründet wurden, haben ihre Geschäftsfähigkeit bereits eingestellt, unter anderem Paymey, Kontoblick, easyCard und auch das mehrfach preisgekrönte Bezahlsystem Paij. Auf der FuckUp Night erzählte Gründer Florian Hoffmann, dass er bereits sechs Wochen nach dem Unternehmensstart eine Million als Funding erhielt und danach in drei Investmentrunden insgesamt vier Millionen Euro einsammelte. Dennoch musste der Jungunternehmer vor kurzem sein 25 Mann starkes Geschäft aufgeben – ebenso wie das größere Payment-System Yapital von der Otto Group. Das Scheitern der FinTechs sollten die Geldhäuser als Weckruf verstehen, sagt Roßbach. Es deutet darauf hin, dass die Konsolidierung im digitalen Finanzgeschäft bereits eingesetzt hat. „Geldhäuser, die es jetzt nicht wagen, neue Wege zu gehen, werden auf dem Weg ins digitale Zeitalter auf der Strecke bleiben“, so der Finanzexperte. 

Fachbeitrag u.a. erschienen in:

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