02.02.2016

Bankschalter oder FinTech?

Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Finanzbranche diskutiert Rolle der FinTechs auf dem Cologne IT Summit

Frankfurt am Main. Bankschalter oder FinTech –  wohin entwickelt sich das Banking 2020? Dieser Frage gingen namhafte Vertreter aus der Finanzwelt und FinTech-Szene in einer von vier Paneldiskussionen auf dem Cologne IT Summit in Köln nach. Bei der Antwort waren sich die Teilnehmer weitestgehend einig: Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen sich beide Seiten weiterentwickeln. Für Banken kommt es vor allem darauf an, digitale Erfolgsfaktoren fest ins eigene Ökosystem zu integrieren. Von der innovativen Konkurrenz können die Geldhäuser dabei viel lernen. 

Bereits im Impulsvortrag machte Stefan Roßbach, Mitglied der Geschäftsführung der TME AG deutlich, dass FinTechs keine vorübergehende Erscheinung sind. Anhand einer unternehmensinterner Analyse von mehr als 900 digitalen Geschäftsmodellen im Banking zeigte er, dass das Kerngeschäft von Kreditinstituten längst von innovativen Konkurrenten besetzt ist Die meisten Mitbewerber gebe es aktuell im Bereich Anlegen (31,4 %). Dienste wie Crowdinvesting, Robo Advisory und Social Trading zögen immer mehr Kunden an. Auch im Bereich Bezahlen (26,4 %) sei die Konkurrenz in den letzten 12 Monaten spürbar gewachsen, so Roßbach – gefolgt von den Bereichen Verwalten (25,5 %) und Finanzieren (16,7 %).

„FinTechs besetzen bereits so viele klassische Banksegmente, dass für Kunden der Vorteil der Hausbank immer unklarer wird“, sagt Roßbach. Wie stark die innovativen Firmen ihr Angebot bereits ausgebaut haben, zeigt das Beispiel Online-Banking. Die Produktpalette der FinTechs geht mittlerweile weit über Online-Bezahlverfahren und Finanzauswertungen hinaus und deckt auch Sparten wie die Kreditvergabe, Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen ab. Angesichts dieser Entwicklung stelle sich die Frage ‚Bankschalter ODER FinTech’ nicht, so der Digital Banking-Experte. Die Antwort laute vielmehr: „Sowohl als auch“.

Diese Meinung wurde auch in der Podiumsdiskussion geteilt, die von Philip Laucks (Bereichsvorstand Direktbank, Postbank), Dr. Gernot A. Overbeck (Fintura), Kai Panitzki (Vorstand, Börsenmedien) und Dr. Oliver Vins (Vorstand Vaamo) bestritten wurde. Die Finanzexperten waren sich einig, dass sich die Digitalisierung im Banking nicht aufhalten lasse. Einige FinTechs würden schon heute eine Banklizenz anstreben. Gleichzeitig arbeiten die Geldhäuser mit Hochdruck an der digitalen Transformation ihres Geschäftsmodells. Die Postbank setzt zum Beispiel verstärkt auf interdisziplinäre Teams und fördert gezielt die Innovationskultur. Viel Potenzial sahen die Finanzexperten in Kooperationen mit FinTechs. Die Stärken beider Seiten würden durch ein strategische Bündnis vereint: die Innovationskraft und digitale User Experience, Schnelligkeit, Transparenz und Kundenorientierung der FinTechs auf der einen Seite und die robuste Sicherheit, langfristige Kundenbeziehung, Ressourcenstärke und regulatorischen Erfahrung der Banken auf der anderen Seite.

„Die Annäherung zwischen den Marktplayern ist bereits im Gange“, sagt Roßbach. „Sie ist ein wichtiger, wenn nicht gar notwendiger Schritt für viele Banken, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“

 

 

Fachbeitrag u.a. erschienen in:

APP "TME Institut"
Alle Publikationen der TME digital zum Download verfügbar

Erhältlich im App Store von Apple und Google