11.10.2017

Änderungen in der Risikoberichterstattung für Kreditinstitute durch die Einführung des IFRS 9

Aufgrund des zeitlich heranrückenden Erstanwendungszeitpunktes des IFRS 9 zum 01. Januar 2018 sind Kreditinstitute, neben der Herausforderung der fristgerechten Umsetzung der neuen Regelungen zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten, zunehmend auch mit den überarbeiteten Offenlegungsanforderungen konfrontiert. Speziell aus der Überarbeitung des IFRS 7, der die Angaben zu Finanzinstrumenten regelt, ergeben sich sowohl neue als auch überarbeitete qualitative und quantitative Angabepflichten. Aber auch durch die Anpassung der EBA an den FINREP­Meldungen resultiert ein erheblicher Anpassungsbedarf an den Meldetabellen. Aus beiden regulatorischen Anforderungen ergibt sich Anpassungsbedarf an den fachlichen und technischen Datenhaushalt.

Fachlicher Kurzüberblick zum Standard IFRS 9

Die späte bilanzielle Abbildung von Kredit- ausfällen nach IAS 39 wurde im Zuge der Subprime Finanzmarktkrise als wesentliche Schwäche in den bestehenden Regelwerken zur Rechnungslegung angemerkt. Zum einen wurde das prozyklische Vorgehen bei der Feststellung von Kreditausfällen und die damit verbundene Bildung der Risikovorsorge und zum anderen der hohe Detaillierungsgrad, die Komplexität und die schwere Verständlichkeit des IAS 39 bemängelt. Vor allem die politische, aber auch die öffentliche Kritik erhöhten den Druck auf den IASB, die Bilanzierung von Finanzinstrumenten zu reformieren.

Der IAS 39 basiert auf einem sogenannten Incurred-Loss-Modell. Hierbei wird erst bei Eintritt eines Ausfallereignisses der Kreditausfall erfasst. Dies führt wiederum zu einer Inkongruenz zwischen Risikoaufschlag und erfasster Wertminderung. Das IFRS-9-Modell sieht vor, die Wertminderung anhand von zu erwarten den Kreditausfällen und Cashflows anstelle von historischen Ausfallereignissen zu bilden (Expected-Credit-Loss-Modell). Aufgrund seiner Komplexität wurde der IFRS 9 in folgende drei Phasen gegliedert:

  • Phase 1: Kategorisierung und Bewertung
  • Phase 2: Impairment
  • Phase 3: Hedge Accounting

Übergangszeit von IAS 39 auf IFRS 9

Die Anforderungen an die Offenlegung bzgl. Risiken und deren Management werden überwiegend durch den Rechnungslegungsstandard IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben geregelt. Die überarbeiteten Abgabepflichten des IFRS 7 sind parallel zum IFRS  9 ab dem 01.01.2018 erstmalig anzuwenden. Die Enhanced Disclosure Task Force (EDTF) hat ergänzend zu den IFRS 7 Angaben einen Empfehlungsbericht herausgegeben, der Banken bei der neuen Risikoberichterstattung unterstützen soll. Die EDTF empfiehlt speziell eine stufenweise Anpassung der Risikoangaben während der Übergangszeit von IAS 39 auf IFRS 9. Dies bietet den Adressaten die Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über die Auswirkungen des IFRS 9 auf die Bereitstellung der Risikovorsorge zu verschaffen, den Umsetzungsfortschritt einzuschätzen und Vergleiche zwischen unterschiedlichen Instituten zu ziehen.

Risikoberichterstattung nach IFRS 7 in Verbindung mit IFRS 9

Der Erstmeldestichtag für den IFRS 7 konformen Konzernabschluss in Verbindung mit IFRS 9 ist der 31.03.2018. Neben den bereits bestehenden umfassenden qualitativen Angabeanforderungen, wie z. B. den Angaben zum Risikomanagement oder zur Steuerung von Einzelrisiken, liegt zukünftig ein besonderer Fokus auf dem Ausfallrisiko und dessen Steuerung (vgl. IFRS 7.35A – 7.36).

Eine der wesentlichen Neuerungen des IFRS 7 ist die Veröffentlichung einer Überleitungs- rechnung des Risikovorsorgebestands.  Unter IFRS 7.35H und 7.35I wird gefordert, dass Unternehmen die Entwicklung der Wertberichtigung vom Anfangs- auf die Schlusssalden in tabellarischer Form offenlegen. Diese Angaben sind separat für alle Finanzinstrumente zu machen, für die das Institut verpflichtet ist eine Risikovor- sorge zu bilden. Nach IFRS 9 ist für alle Finanzinstrumente, die als „Amortized Cost“ oder als „Fair Value through Other Comprehensive Income“ kategorisiert wurden, eine Risikovorsorge nach dem neuen dreistufigen Wertminderungs­ modell zu bilden. Die Entwicklung soll für:

  • Geschäfte deren Wertberichtigung in Höhe der erwarteten 12-Monats-Kreditverluste gebildet wird (Stage 1),
  • Geschäfte deren Wertberichtigung in Höhe der über die Gesamtlaufzeit erwarteten  Kreditverluste  bemessen  wird,  aber bei denen keine Wertminderung vorliegt (Stage 2),
  • Geschäfte deren Wertberichtigung in Höhe der über die Gesamtlaufzeit erwarteten Kreditverluste bemessen wird und bei denen eine Wertberichtigung vorliegt (Stage 3),
  • Geschäfte deren Wertberichtigung in Höhe der über die Gesamtlaufzeit erwarteten Kreditverluste bemessen wird und welche bereits bei Ausgabe wertgemindert waren (Pruchased or Originated Credit Impaired)

separat ausgewiesen werden. Neben der quantitativen Darstellung der Änderungen der Risikovorsorgebeträge kann es erforderlich sein, die Änderungen qualitativ  zu beschreiben. Die Darstellungsform obliegt jedem Kreditinstitut selbst.

Eine weitere quantitative Neuerung ist im IFRS 7.35M beschrieben. Dieser Punkt ergänzt den IFRS 7.34b und fordert, dass Abschlussadressaten einen Überblick über das Kreditrisiko eines Kreditinstituts erlangen, sowie die wesentlichen Kreditrisikokonzentrationen verstehen sollen. Hierzu sollen Institute die Bruttobuchwerte ihrer finanziellen Vermögenswerte untergliedert nach der neuen Stufenlogik des IFRS 9 offenlegen. Die Kreditrisikokonzentrationen sollen entsprechend des Portfolios gewählt werden.  Typische Konzentrationen sind:

  • Branchen: Geschäftspartner sind in ähnlichen geschäftlichen Bereichen aktiv
  • Geografische Gebiete: Geschäftspartner sind in den selben Regionen ansässig
  • Ratingklassen: Geschäftspartner sind der gleichen Ausfallklasse zugeordnet

Abschlussadressaten sollen so in die Lage versetzt werden, das Kreditportfolio besser einzuschätzen um bspw. Auswirkungen aus Änderungen von politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser einzuschätzen (vgl. IFRS 7.B8H).

Weitere Auswirkungen auf die Regulatorik

Neben den Angaben zu Finanzinstrumenten beeinflusst der IFRS 9 weitere regulatorische Meldungen. Hervorzuheben sind hier die von der EBA definierten FINREP­Meldebögen. Von den derzeit bestehenden Meldetabellen unterliegen zwei Drittel einer Anpassung. Zudem ist davon auszugehen, dass weitere Meldetemplates wie z. B. die COREP-Meldung oder die Short Term Exercises (STE) der EBA durch die Einführung des IFRS 9 angepasst werden müssen.

Speziell die neuen quantitativen Kreditrisikoangaben sind erheblich vom vorhandenen Datenhaushalt der Institute abhängig. Um die neuen Reportinganforderungen erfüllen zu können bedarf es sowohl fachlicher als auch technischer Anpassungen am Datenmodell. Es sollte sichergestellt werden, dass die Datenqualität und -granularität sowie die zeitliche Verfügbarkeit den Anforderungen der BCBS #239 entsprechen.

Fazit

Im Vergleich zum IAS 39 wurde der Anwendungsbereich der Wertminderungsvorschriften deutlich ausgeweitet. Der IFRS 9 sieht vor, dass Unternehmen für alle Finanzinstrumente beim erstmaligen Bilanzansatz eine Klassifizierung durchführen. In Abhängigkeit der Klassifizierung muss für sämtliche Ausfallrisiken, die nicht erfolgswirksam bewertet wurden, eine Risiko- vorsorge gebildet werden. Es ist davon auszugehen, dass der neue Standard zu einer Erhöhung der Risikovorsorge führen wird. Neben den Herausforderungen der IFRS-9-Einführung müssen Kreditinstitute auch die neuen Angabepflichten, die unter anderem aus der Überarbeitung des IFRS 7 resultieren, umsetzen. Wie in diesem Whitepaper skizziert, sind jedoch eine Vielzahl an regulatorischen Meldungen hiervon betroffen.

Autoren und Ansprechpartner: Christian Behrens, Stefan Steinhoff

Oktober 2017 | Christian Behrens, Stefan Steinhoff

Aufgrund des zeitlich heranrückenden Erstanwendungszeitpunktes des IFRS 9 zum 01. Januar 2018      sind Kreditinstitute, neben der Herausforderung der fristgerechten Umsetzung der neuen Regelungen zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten, zunehmend auch mit den überarbeiteten Offenlegungsanforderungen konfrontiert