01.10.2014

Neuauflage der Bankenaufsicht durch die EZB

Bankenprüfung als Vorbereitung auf EZB Bankenaufsicht

Die negativen Auswirkungen der letzten Finanzkrise auf die Bankbilanzen erfordern umfangreiche Maßnahmen, um ein erneutes Scheitern des Finanzsystems zu vermeiden. Die Europäische Zentralbank übernimmt daher ab November 2014 die einheitliche Aufsicht über bedeutsame Banken innerhalb der EU. Die verschiedenen Maßnahmen der Bankenprüfung sollen Transparenz und Korrekturen fördern, sowie zu einer Wiederherstellung des Vertrauens in die Banken und den Euro beitragen.

Einheitliche Bankenaufsicht durch EZB

Mit der Verordnung zur Übertragung besonderer Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufsicht über Kreditinstitute auf die Europäische Zentralbank (SSM-Verordnung) wurde vom Europarat der Grundstein für die einheitliche Aufsicht der Banken im Euroraum gelegt. Alle Banken des Euroraums, deren Bilanz- summen mehr als 30 Milliarden Euro oder 20 Prozent der Wirtschaftsleistung eines Landes betragen, werden der einheitlichen Aufsicht durch die EZB unterstellt.

Vorbereitung der EZB Bankenaufsicht: Die Bankenprüfung

Als Vorbereitung auf die Übernahme der einheitlichen Bankenaufsicht führt die EZB, gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden, seit November 2013 eine Bankenprüfung durch. Hintergrund ist der planmäßige Start der Bankenaufsicht durch die EZB im November 2014.

Die EZB arbeitet während der Prüfungsphase eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen, um nach Ablauf der Bankenprüfung eine einheitliche und länderübergreifende Aufsicht garantieren zu können. Die vorbereitende Prüfungs-phase und die enge Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden während der Prüfungsphase sollen einen unkomplizierten Umgang zum einheitlichen System der EZB sicherstellen. Das Gesamtergebnis aller Prüfungselemente soll im November 2014, noch vor der Übernahme der Aufsichtsverantwortung durch die EZB, veröffentlicht werden. 

Ziel der Bankenprüfung

Durch die Prüfung werden drei Ziele verfolgt:

1. Erhöhung der Transparenz durch die Verbesserung der Qualität der verfügbaren Informationen zur Situation der Banken.

2. Korrekturen durch Ermittlung und Umsetzung gegebenenfalls notwendiger Schwachstellen der Banken.

3. Vertrauensbildung, da sich alle Interessensträger gewiss sein können, dass die Banken grundlegend solide und vertrauenswürdig sind.

Hintergrund

Die jüngste globale Finanzkrise begann im Jahr 2007 und entwickelte sich von einer anfänglichen US-Immobilienkrise zu einer ungeahnten weltweiten Wirtschaftskrise. Den Zenit verzeichnete die Krise nach dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers im September 2008. Viele Banken mussten durch enorme Fremdkapital- und Eigenkapitaleinlagen – teilweise durch den Staat – gestützt werden.

Insgesamt sind seit Ausbruch der Finanzkrise 500 Milliarden Euro Kapital durch die Banken im Euroraum aufgenommen worden.2 Die enormen Ausmaße der Finanzkrise veranlasste die Staats- und Regierungs- chefs der EU-Mitgliedstaaten eine europa- weit einheitliche Bankenaufsicht – für alle Euro-Länder – einzuführen. Damit werden 120 Banken aus 22 EU-Ländern der EZB unterstellt. 21 der 120 Banken sind in Deutschland angesiedelt.

Die drei Stufen der Bankenprüfung

Die Bankenprüfung besteht aus drei Stufen:

1. Risikobewertung

2. Asset Quality Review

3. Stresstest

 

Stufe 1) Risikobewertung

Im ersten Schritt untersucht die EZB mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Risiken in den Bilanzen der Banken. Zur umfassenden Darstellung bestehender Risikofaktoren findet hier das von der EZB entwickelte Risk Assessment System (RAS) Anwendung.

Ziel der ersten Stufe der Bankenprüfung ist es, die Bank auf ihre Anfälligkeit gegenüber einer Vielzahl an Risikofaktoren zu bewer­ten.

Stufe 2) Asset Quality Review - AQR

Im zweiten Schritt wird geprüft, ob die Bewertung der Aktiva angemessen ist. In dieser Bewertungsphase wird untersucht, ob die gebildeten Risikovorsorgen ausrei­chend sind, um Ausfälle angemessen zu kompensieren. Hierbei werden ausgewähl­te Schlüsselportfolien im Besonderen analy­siert. Zusätzlich erfolgt auf diese Schlüssel­portfolien stichprobenartig eine detaillierte Kreditaktenprüfung.

Stufe 3) Stresstest

Aufbauend auf den Ergebnissen der Stu­fen 1 und 2 werden die Bankbilanzen dem sogenannten Stresstest unterzogen. Die Hauptfrage hierbei:

Wie reagieren die Bankbilanzen auf be­stimmte von der Europäischen Bankenauf­sichtsbehörde (EBA) vorgegebene Risikos­zenarien?

Konkret bedeutet dies, dass mit der EBA eine zukunftsgerichtete Betrachtung der Schockabsorptionsfähigkeit von Banken unter Stressbedingungen stattfindet, die auf dem AQR aufbaut. Simuliert werden ein Konjunkturabschwung, Kreditausfälle, ein Verfall der Preise von Staatsanleihen, Refi­nanzierungsprobleme und Spannungen an den Verbriefungsmärkten.

Durchführung der Bankenprüfung

Die Bankenprüfung konfrontiert die Banken mit Datenanfragen und Datenerhebungen in erheblichem Umfang.

In Stufe 1) Risikobewertung wurden bei den Banken rund 1400 Datenpunkte abgefragt. Während der Stufe 2) Asset Quality Review wurden rund 1250 Kreditakten pro Bank geprüft. Für die Prüfung der Akten sind von der EZB etwa 1000 Wirtschaftsprüfer enga­giert, um die Kreditakten der Banken zu be­werten.4 Gleichzeitig erfordert die Prüfung auf Seiten der Banken ebenfalls enorme Aufwände in bisher ungekannten Umfang.

Stellenwert der Bankprüfung

Dieser enorme Aufwand zeigt den Stellen­wert der Prüfung. Die EZB nimmt ihre Rolle als Aufsicht ernst, setzt alle Hebel in Bewe­gung, um das Vertrauen in den Finanzsek­tor wiederherzustellen und setzt die Ban­ken unter Druck, die neuen Anforderungen einzuhalten, um vor neuerlichen Krisen ge­schützt zu sein.

Dabei stört sich die EZB nicht daran, dass ei­nige Banken den enormen Anforderungen nicht gewachsen sind. So heißt es in einem Statement des aktuellen Chefs der EZB:

„Im Vorfeld des Asset Quality Reports (AQR) und des Stresstests durch die EZB gehe er davon aus, dass Investoren in Zukunft nur dann wieder Vertrauen in die Euro-Banken­landschaft fassen, wenn nicht alle Banken die „Prüfungen“ bestehen.“

Ausblick

Die geplante Veröffentlichung der umfang­reichen Ergebnisse ist für November 2014 angesetzt. Ebenso im November startet die neue Bankenaufsicht durch die EZB. Um die Förderung von Transparenz, Einheitlichkeit und angemessener Kommunikation zu ge­währleisten werden Mitarbeiter der EZB und der teilnehmenden Mitgliedsstaaten eng zusammenarbeiten.

Somit wird eine einheitliche Anwendung der Methodik auf nationaler sowie europäischer Ebene sichergestellt.

Autoren: Harald Feick, Stefan Bachinger, Sascha Beck